Unter der Tagungsthematik „Fortschritte in der Frauenheilkunde“ war Anne Steiner, Verantwortliche für Qualität und Innovation SHV und Leitung des Geburtshaus Nordstern KSA, zu einem Vortrag am diesjährigen ärztlichen Gynäkologiekongress in Näfels eingeladen. Die Diskussion im Anschluss war sehr wertschätzend und offen und zeigt, dass das gemeinsame Engagement, hebammengeleitete geburtshilfliche Modelle in der Regelversorgung zu etablieren, Früchte trägt.
Eine wachsende Anzahl Spitäler, besonders in der Deutschschweiz, haben in den letzten Jahren Modelle der hebammengeleiteten Geburtshilfe (HGGH) eingeführt. Die Nachfrage nach diesen Angeboten steigt sowohl bei den Schwangeren wie auch bei Hebammen. Immer mehr Frauen wünschen sich eine intime, interventionsarme Geburt, ohne auf die direkte Anbindung an die ärztlich-medizinische Versorgung verzichten zu wollen. In Zeiten der Personalknappheit ist es für die Spitäler zudem wichtig, einem Mangel an ausgebildeten Hebammen vorzubeugen. Können Hebammen ihren Kompetenzen entsprechend in eigener Verantwortung arbeiten, gewinnen die Spitäler in ihnen loyale und zufriedene Mitarbeiter*innen(Grylka, 2020).
Modelle der hebammengeleiteten Geburtshilfe in den Schweizer Spitälern
Bei der hebammengeleiteten Geburtshilfe liegt der Entscheid zur Aufnahme bzw. zur Ablehnung in das jeweilige Modell sowie die Verantwortung für die Geburtsbegleitung bei der Hebamme. Die schwangere Person und ihre Bezugspersonen sind über die Grenzen der hebammengeleiteten Geburtshilfe und die Möglichkeit einer Verlegung im Falle des Auftretens von Komplikationen während der Geburt informiert (SHV, 2024).
Gemeinsame Einheit HGGH & ärztlich geleitete Geburtshilfe
Die Geburten finden in der Geburtenabteilung innerhalb des Spitals statt. Ressourcen und Infrastruktur werden durch das Spital gestellt. Interprofessionelle Prozesse wie Überführungen in die ärztlich geleitete Geburtshilfe werden hausintern erarbeitet. Die Hebammen betreuen die Geburt in eigener fachlicher Verantwortung. Die Hebammen arbeiten entweder in einem Schichtsystem oder in einem Beleg, bzw. Bezugssystem.
Getrennte Einheit HGGH Spital
Die Geburten finden in eigenen Abteilungen/ Räumlichkeiten innerhalb des Spitals statt. Ressourcen und Infrastruktur werden durch das Spital gestellt. Interprofessionelle Prozesse wie Überführungen in die ärztlich geleitete Geburtshilfe werden hausintern erarbeitet. Die Hebammen betreuen die Geburt in eigener fachlicher Verantwortung. Die Hebammen arbeiten entweder in einem Schichtsystem oder in einem Beleg, bzw. Bezugssystem.
Geburtshaus Spitalgelände
Geburtshäuser auf dem Spitalgelände sind im Besitz eines Spitals. Ressourcen und Infrastruktur werden durch das Spital gestellt. Interprofessionelle Prozesse wie Verlegungen in die ärztlich geleitete Geburtshilfe werden hausintern erarbeitet. Hebammen sind durch Belegverträge oder durch eine Anstellung für die geburtshilfliche Betreuung in eigener fachlicher Verantwortung zuständig. Diese Hebammen betreuen Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und Stillzeit in eigener fachlicher Verantwortung. Die Geburt und das frühe Wochenbett finden in den Räumen des Geburtshauses statt. Die Hebammen arbeiten entweder in einem Schichtsystem oder in einem Beleg, bzw. Bezugssystem.
