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Delegiertenversammlung: «Wir stehen an einem neuen Anfangspunkt»

Am 17. Mai fand im Anschluss des Schweizerischen Hebammenkongresses die 131. Delegiertenversammlung des Schweizerischen Hebammenverbandes (SHV) statt, an der 113 Delegierte mit 166 Mandaten teilnahmen.

«Nun ist der Moment gekommen, meine letzte Delegiertenversammlung (DV) des Schweizerischen Hebammenverbandes (SHV) eröffnen zu dürfen», Barbara Stocker Kalberer, Präsidentin des SHV, leitete ohne Umschweife ein. Nach 11 Jahren Präsidialzeit gibt sie den Stab weiter, mit Worten der Dankbarkeit für das ihr zugetragene Vertrauen, aber ohne mit goldenem Pinsel zu malen: «Es ist mir bewusst, dass die Anforderungen an uns Hebammen in den letzten Jahren stetig gestiegen sind. Weil wir als Leistungserbringerinnen Teil des Gesundheitssystems sind, werden wir Hebammen behandelt wie alle anderen auch.» Sie appellierte an ihre Berufskolleginnen: «Motzen, reklamieren und ausrufen ist eines, hinstehen und Verantwortung übernehmen etwas anderes. Seid grosszügiger, seid wertschätzend, seid nett! Tragt vor allem Sorge zueinander. Wer arbeitet, soll dafür eine faire Entschädigung erhalten, und Verbandsarbeit ist wichtig und soll bezahlt werden.»

Es folgten eine Standing Ovation sowie warme Worten von Emanuela Gerhard, Co-Vizepräsidentin des SHV, «du warst eine hervorragende Pilotin» − und an alle gewandt: «Heute befinden wir uns nicht in der Landephase oder am Zielpunkt. Wir stehen an einem neuen Startpunkt, für dich, Barbara, wie für uns»

Barbara Stocker Kalberer in ihrer letzten Rede als Präsidentin. Sie schaut auf 11 intensive Jahre zurück. 

Petra Graf Heule wird neue Präsidentin des SHV

Petra Graf Heule wurde zur neuen Präsidentin des Schweizerischen Hebammenverbandes gewählt. Sie tritt ihre neue Stelle am 1. August an. Auch der Zentralvorstand erhält Verstärkung: Felicia Burckhardt und Livia Ramseier, die nicht anwesend sein konnte, wurden neu gewählt. 

Petra Graf Heule wird mit Blumen und Applaus als Präsidentin des SHV begrüsst. Rechts neben ihr, Felicia Burckhardt, frisch gewähltes Mitglied des Zentralvorstands. 

Erhöhung des Mitgliederbeitrags

Die DV begann mit dem Antrag des Zentralvorstandes (ZV), den Mitgliederbeitrag für Hebammen in eigener fachlicher Verantwortung im Zusammenhang mit CIRS ambulant um 27.− zu erhöhen. Der Antrag wurde von der Mehrheit angenommen. Nicht von der Erhöhung betroffen sind Spitalhebammen. Damit solle, wie Petra Graf Heule ausführte, Solidarität bekundet und die Mitgliedschaft für Spitalhebammen attraktiver gemacht werden.

 

Die Delegierten stimmen über verschiedene Anträge ab. 

Update Qualitätsvertrag 

«Der SHV braucht dringend einen abgeschlossenen Qualitätsvertrag, um in Zukunft weitere Tarifverhandlungen führen zu können. Der Gesetzgeber sieht keine finanzielle Entschädigung für einzelne Leistungserbringer*innen oder die Berufsverbände vor, daher muss das Konzept effizient und kostengünstig sei», leitete Anne Steiner, Verantwortliche Qualität beim SHV, die laufenden Verhandlungen des SHV ein. Sie stecken mitten in der anstrengenden Arbeit, ein Ende ist noch nicht in Sicht. Regelmässig trifft sich der SHV unter anderem mit physio swiss, Chiro Suisse zum Austausch, gemeinsam kämpfen sie ums Vorwärtskommen, indem sie beim BAG Forderungen eingeben.   

Update Tarifverhandlungen

In einem nächsten Schritt klärte Barbara Stocker Kalberer über die Situation betreffend den Einzelleistungstarifstrukturvertrag auf.  Seit Mitte 2023 bereitet der SHV die erneute Genehmigung des Ende 2024 auslaufenden Vertrags vor, die Einreichung ans Bundesamt für Gesundheit ist bis Ende Juni 2024 geplant. «Ziel ist es, die Genehmigung auf Anfang 2025 ohne bundesrätlichen Eingriff zu erhalten. Auf jeden Fall soll eine Situation wie bei Physioswiss abgewendet werden», stellt Stocker Kalberer in dieser Situation klar und führte die Neuerungen auf. Die Anpassungen umfassen unter anderen die Neuinterpretation der Leistung «Wegentschädigung» (Kilometerentschädigung) und klarere Tarifpositionsbeschreibungen, die Aufsplittung der Materialpauschale «vollendete und unvollendete ambulante Geburt», zudem wird die «Geburtswäsche» separat abrechenbar. Ein weiterer wichtiger Punkt: Die «Leitung ambulante Geburt» wird neu unter neu «Leitung ambulante Geburt/Fehlgeburt» zusammengefasst, was zu mehr Klarheit bei der Abrechenbarkeit führt.

Revision KVG Art. 29

Weiter ging es mit der Revision KVG Art. 29 Mutterschaft, genauer gesagt, um den ambulanten Bereich, der nicht genügend abgedeckt ist (umfassendes Update zum parlamentarischen Prozess mit den Hintergründen kann hier nachgelesen werden). Andrea Weber-Käser ergriff das Wort. «Eine umfassende Erweiterung des Artikels ist geplant», erklärte sie und zählte die wichtigen Gründe dafür auf: «Die Erweiterung ist notwendig, damit die ambulante Pflege und Betreuung des Neugeborenen abgebildet ist, damit Hebammen spezifische Medikamente anwenden und verrechnen und auch damit Hebammen die nötigen Analysen verordnen und abrechnen können. Zudem ist es zentral, dass Hebammen Produkte der MiGel-Liste abgeben und verrechnen können (mehr zu den Massnahmen zur Kostendämpfung – Paket 2, im Parlamentsbericht, Sommersession, Seite 10). Die juristische und lobbyistische Arbeit für das Postulat zum Teuerungsausgleich finanzieren der SHV, Physioswiss und SBK zu gleichen Teilen, es wurde im Februar eingereicht.

Zum Begriff «maïeutique»

Mit Yvonne Meyer wurde ein ganz neues Themenfeld eröffnet. Sie erläuterte die seit Jahren andauernde Diskussion rund um den französischen Begriff «maieutique». Der im Zuge der Akademisierung im Englischen verwendete Ausdruck «Midwifery» wird im Französischen traditionell mit «maïeutique» übersetzt, einem Begriff, der auf Sokrates zurückgeht, dessen Mutter Hebamme war – es bedeutet so viel wie Hebammenkunst. Der offizielle Titel des Diploms in der Schweiz lautet aber «sages-femme». Die Forscherin warnte vor der Gefahr, dass dieser Begriff in der französischsprachigen Welt ganz verschwinde. Als weiteres Problem sah sie die geschlechtsspezifische Umwandlung des Begriffs «Sages-femmes» durch männliche Hebammen, welche für ihre Berufsbezeichnung den Begriff «Maieuticien» oder «homme sage-femme» verwenden würden. Der Begriff «Sage-femme» gelte aber sowohl für Männer als auch für Frauen, es soll auf keinen Fall ein Gefühl der Hierarchisierung entstehen. Derzeit werde sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene an einer Vereinheitlichung der Begriffe gearbeitet, fasste sie die Situation zusammen.

Spitalhebammen

Die DV schloss mit der Vorstellung des Fonds für Spitalhebammen und gab einen Ausblick auf den nächsten Kongress, der am 15./16. Mai 2025 in Fribourg stattfindet mit dem Thema «‹Future generation − sind wir bereit?›» Ein kleiner Teaser: Hebammenforschung; Going viral!; Update Wundpflege; Klima und Gesundheit im Wandel; hebammengeleitete Geburtshilfe. Die nächste DV findet dann am Vormittag des 15. Mai statt.

Esther Grosjean, Redaktorin «Obstetrica»

 

 

 

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