Am 15. Mai fand in Freiburg die 132. Delegiertenversammlung zur Eröffnung des Schweizer Hebammenkongresses statt. 92 Delegierte, die 154 Mandate (anstelle von 182) vertraten, waren anwesend, um unter anderem über eine Anpassung der Statuten des SHV abzustimmen – ein Vorschlag des Zentralvorstands, dem zwei ausserordentliche Anträge entgegengestellt wurden. Diese führten zu intensiven und gehaltvollen Diskussionen, die es ermöglichten, die Vision eines gestärkten Schweizerischen Hebammenverbandes in seiner Vielfalt zu schärfen.

Die 132. Delegiertenversammlung (DV) des Schweizerischen Hebammenverbandes (SHV) am 15. Mai stand ganz im Zeichen der Debatte. «Diese Versammlung ist nicht nur ein formeller Anlass, sondern auch ein Moment des Austauschs, der Mitbestimmung und des Miteinanders. Die Themen, die wir heute besprechen werden, sind entscheidend für die Weiterentwicklung unseres Berufes», betonte Petra Graf, Präsidentin SHV, in ihrer Eröffnungsrede. «Lassen Sie uns die Gelegenheit nutzen, mit Weitblick und Verantwortung gemeinsam an Lösungen zu arbeiten.»

Qualitätsvertrag: «protrahierte Schwangerschaft»
Der Begriff «protrahierte Schwangerschaft» stammt von Anne Steiner, Verantwortliche für Qualität und Innovation beim SHV, die diese Informationssequenz mit einem Update zum Qualitätsvertrag eröffnete. Die im letzten Jahr angekündigten Arbeiten an einem auf den Beruf zugeschnittenen Qualitätsvertrag werden fortgesetzt, «in der Hoffnung, dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) im Jahr 2025 einen Vertragsvorschlag unterbreiten zu können». Der SHV arbeitet mit anderen Berufsverbänden zusammen, sowohl um eine schnelle Reaktion des BAG nach Vorlage des Vertrages zu gewährleisten, als auch um die Kräfte der einzelnen Verbände zu bündeln (z. B. ermöglicht der Rechtsdienst der FMH, dass keine kostenpflichtige externe Dienstleistung in Anspruch genommen werden muss). Anne Steiner skizzierte die Auswirkungen des zukünftigen Vertrages für jede Hebamme: Pflichten, Evaluationen und Sanktionen.

Andrea Weber, Geschäftsführerin des SHV
Tarifverhandlungen
Andrea Weber, Geschäftsführerin SHV, präsentiert anschliessend ein Update zu den Tarifverhandlungen. Die befristete Genehmigung des aktuellen Tarifstrukturvertrages für Einzelleistungstarife wurde vom Bundesrat auf Antrag des SHV und der Versicherer bis Ende 2026 verlängert. Das BAG verlangt zusätzliche Informationen zu verschiedenen Aspekten, insbesondere zu den Materialkosten (zum Beispiel muss dem BAG nachgewiesen werden, dass der Einkauf von Material nicht gemeinsam erfolgen kann). Darüber hinaus müssen alle Verbände ein nationales Konzept für das Kostenmonitoring entwickeln (Art. 47c KVG, Inkrafttreten 2024).
Herausforderungen und Druck
Dieser letzte Punkt stellt eine echte Herausforderung für den SHV dar: neue Personen, mit denen er zu tun hat, sowie neues Fachwissen, das für diese neue Aufgabe entwickelt werden muss, und hohe Kosten, die durch die neuen Experten entstehen. Diese Arbeiten müssen in einem Zeitraum von knapp eineinhalb Jahren durchgeführt werden, da das BAG eine Kontrollfrist von sechs Monaten verlangt. Parallel dazu muss der SHV endlich ab sofort an einer Strategie für die zukünftige Erhebung von Kosten – und Leistungsdaten arbeiten. Dies alles vor dem Hintergrund von Einsparungen und Kostensenkungen.

Neue Grundlage Artikel 29 KVG
Eine erfreuliche Nachricht für den Berufsstand und eine «gute Grundlage für die kommenden Jahrzehnte», wie Andrea Weber ankündigt: Hebammen haben eine neue KVG-Grundlage für die Hebammenarbeit! Die Geschäftsführerin des SHV erläutert das Ergebnis jahrelanger Arbeit und Lobbyarbeit. Der neue Artikel 29 hat einen neuen Titel: «Mutterschaft und Leistungen von Hebammen», und die ambulante Betreuung nach der Geburt ist zum ersten Mal im Gesetz verankert. Der neue Artikel 29 deckt nun folgende Punkte ab:
- ambulante Wochenbettbetreuung ist erstmals erwähnt
- Kostenübernahme für Analysen durch Hebammen bei Mutter und Kind (gemäss AL)
- Kostenübernahme der verhandelten MiGeL-Positionen neu o. med. Verordnung und der angewendeten Arzneimittel (gemäss kant. Medikamentenliste)
- Kostenübernahme der ärztlich oder von Hebammen! verordneten Untersuchungen, Behandlungen und Pflegeleistungen
- Neu wird zwischen gesundem und krankem Kind unterschieden

Hausgeburt: eine Liste von SHV-Kriterien
Adrien Bruno, Mitglied des Qualitätsbeirats, stellte zudem die brandneue SHV-Liste der Kriterienliste für die Hausgeburtshilfe vor. Da die kantonalen Gesundheitsbehörden Kriterienlisten für die spitalexterne Geburtshilfe erstellen, beauftragte der SHV 2024 eine Arbeitsgruppe mit der Ausarbeitung einer nationalen, von Hebammen erstellten Kriterienliste, an der akademische und klinische Expertinnen und Experten aus der ganzen Schweiz beteiligt waren. Adrien Bruno stellte den Prozess zur Erstellung dieser Liste vor − in Kürze wird darüber ein Artikel in der «Obstetrica» erscheinen. Die Liste wird auf der Website des SHV unter der Rubrik Qualität > Empfehlungen > Hausgeburt veröffentlicht.
Initiative für Familienzeit
Sula Anderegg, Mitglied des Zentralvorstands (ZV), stellte die Familienzeit-Initiative vor, die der ZV unterstützt. «Unser Beruf entwickelt sich in einem politischen Umfeld», sagte sie einleitend . Die Initiative fordert 18 Wochen Urlaub für jeden Elternteil – vier davon können zusammen bezogen werden. Es geht um die Gleichstellung von Männern und Frauen beim Aufbau des Familienlebens und um eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Anouk Joliat zwischen Felicia Burckhardt und Sula Anderegg
| Abschied und Wahl eines neuen Mitglieds |
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Diese DV war die letzte für Anouk Joliat, die seit 2022 Mitglied des ZV ist. Petra Graf würdigte sie als «wunderbare Mischung aus Kreativität und Pragmatismus» und dankte ihr für ihr Engagement: «Wir werden deine Expertise, deine Klarheit und deinen Humor vermissen!» Anouk Joliat sagte, dass sie im ZV so viel gelernt habe, als hätte sie noch einmal studiert. «Eigentlich wollte ich ja nur ein Forschungspraktikum beim SHV machen, weil ich interessiert war, wie der Verband funktioniert. Dabei ist mir klar geworden, dass es an der Zeit war, mich selbst zu engagieren. Also nicht nur reden, sondern handeln.» Eine Aufforderung sich zu engagieren, wobei sie das Engagement der anwesenden Delegierten hervorhebt: «Es ist wichtig, dass ihr alle da seid, kritisiert mitdenkt und den Verband unterstützt.» Das neue Mitglied des ZV, Lea Zbinden, wurde einstimmig gewählt. |

Petra Graf, Präsidentin des SHV
Vorschläge: Neue Statuten für den SHV
Ein weiteres wichtiges Traktandum an der DV war der Antrag des ZV, die Statuten des SHV zu ändern. Ziel sei es, die Statuten «verständlicher und klarer» zu gestalten, erklärte Petra Graf. Die neuen Vorschläge waren folgende:
- Ehrenmitglieder werden vom ZV ernannt;
- Neue Mitgliederkategorien;
- Auch Nichthebammen können Mitglieder des ZV sein;
- Einbezug von Interessengruppen
- Verkürzung der Übergangszeit bei einem Wechsel des Vorsitzes;
- Die Präsidentenkonferenz erhält mehr Kompetenzen: Wahlausschuss (Wahlen) und Finanzausschuss (Haushalt).
Ausserordentliche Motionen: Zugang zum ZV für Nicht-Hebammen
Zu den diskutierten Neuerungen gehörte die mögliche Wahl von Personen in den ZV, die keine Hebammen sind. Die Sektion Tessin hat einen ausserordentlichen Antrag eingereicht, der darauf abzielt, dass die Mitglieder des ZV aktive Mitglieder des SHV sind (und somit die Nicht-Hebammen-Mitglieder des ZV nicht mit einbeziehen). «Wir verstehen das Bedürfnis nach Hilfe oder Beratung durch andere Berufsleute, um eine so komplexe Arbeit wie die des ZV zu erledigen. Aber wir sind ein Berufsverband: Die Mitglieder des ZV müssen uns repräsentieren», begründete Francesca Coppa-Doti im Namen der Sektion Tessin. Die Herausforderung für die Sektion Tessin besteht darin, die Nähe zur Basis aufrechtzuerhalten. Petra Graf erläuterte die Gründe für diesen Vorschlag am Beispiel von Physioswiss, wo ein Gesundheitsökonom im ZV vertreten ist: «Mit anderen Personen hat man andere Schwerpunkte in den strategischen Überlegungen» − gerade deshalb sei der Einbezug von Nicht -Hebammen bereits auf der Ebene der Überlegungen, vor der Umsetzung, wichtig und der ZV wolle deshalb nicht nur Mandate erteilen, die auf der operativen Ebene, zu weit hinter den strategischen Überlegungen, ankommen. Anne Steiner, Qualitätsbeauftragte SHV, gab das Beispiel des Qualitätsbeirats , der zum ersten Mal eine Elternvertreterin aufnimmt. Julia Zeier, Geschäftsführerin der Sektion Zentralschweiz, empfahl, den Vorschlag anzunehmen: «Wir Hebammen können nicht überall alles wissen.» − diesen Vorschlag nicht anzunehmen, würde bedeuten , eine grosse Chance zu verpassen. Alle sind jedoch der Meinung, dass die Mehrheit im ZV Hebammen sein soll.
Recht auf Meinungsäusserung von Interessengruppen
Sektion Bern schlug eine Neufassung von Art. 32a, Punkt 8 über die öffentliche Meinungsäusserung von Interessengruppen vor: «Zu standespolitischen Fragen und zu medizinischen Fragen von allgemeinem schweizerischem Interesse und von übergeordneter Bedeutung äussern sich Interessengruppen nur durch Vermittlung des Zentralvorstandes.» Die Sektion Bern interpretiert dies als eine Einschränkung des Rechtes der Interessengruppen auf Meinungsäusserung, wie die Präsidentin Tiffany Buffier erläuterte. Petra Graf betonte die Wichtigkeit dieser Diskussion und sagte: «Wir versuchen, Interessengruppen in den SHV zu integrieren, um insbesondere die DV vielfältiger zu gestalten und die Beteiligung an unserem Berufsverband zu erhöhen.» Anouk Joliat betonte die Bedeutung von Art. 32a Punkt 8 aus Sicht der Kommunikation: Es gehe nicht so sehr um Machtkonzentration, sondern darum, nach aussen einheitlich aufzutreten. Sula Anderegg unterstrich diese Wortmeldung: «Medienarbeit ist komplex!» Nach reichhaltigen Diskussionen wurden diese beiden Anträge schliesslich abgelehnt und die neue Satzung über die erforderliche Mindestanzahl von zwei Dritteln hinaus angenommen.
Abschluss
Die DV endete mit der Vorstellung der zukünftigen Kongresse, am 27. und 28. Mai 2026 in Baden unter dem Motto «Empowered midwives − empowered families», 2027 folgen getrennte Kongresse in der Romandie und der Deutschschweiz, nach dem neuen Konzept. Informationen folgen.
| Jeanne Rey, Redaktorin „Obstetrica“ Romandie |
| Übersetzt von Esther Grosjean |
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Ehrungen für langjährige Mitglieder |
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Dieses Jahr sind vier Hebammen der Einladung des Schweizerischen Hebammenverbandes (SHV) gefolgt, um ihre langjährige Mitgliedschaft anlässlich der Delegiertenversammlung vom 15. Mai zu verlängern. Ginette Rüdy-Kesch, Sektion Zürich und Schaffhausen, ist dem Verband seit 50 Jahren verbunden, sie wurde mit Applaus bedacht. Valérie Biolay, Sektion Vaud, Ruth von Bergen-Grüter, Sektion Zentralschweiz und Alexandra Vonnez, Sektion Vaud, feierten ihre 25-jährige Mitgliedschaft. Eine Treue, die von Sula Anderegg, Mitglied des Zentralvorstandes des SHV, hervorgehoben wurde. |
