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Update Analyseliste für Hebammen: Antwort BAG und ein erster Teilerfolg

Die Geschichte rund um die Revision der Analyseliste für Hebammen gleicht einer Odyssee. 

Folgende Stationen sind bekannt und kann man unter den entsprechenden Links nachlesen:

26.02.2020: Erste Information zum Projekt «Überarbeitung der Analyseliste»: Link
23.09.2020: Information zum eingereichten Antrag zuhanden des BAG: Link
30.08.2022: Tarif-News zur Ablehnung der eingereichten Anträge zur Revision der Analyseliste und Verordnungskompetenz für Hebammen: Link

Nach der Ablehnung des Antrages im 2022 unter anderem, weil der Rechtsabteilung des BAG auffiel, dass es für gewisse Analysen bei der Mutter aber vor allem für die wichtige Analyse «Bilirubin» beim Neugeborenen eine Verordnungskompetenz für die Hebammen brauche, die unter der aktuellen Gesetzeslage nicht vorhanden ist, wurde die Arbeit rund um die Revision der Analyseliste mehrgleisig angepackt. Durch die Auflagen des BAG (hier haben wir dazu berichtet, Link) sind wir das Projekt «Verordnungskompetenz» und «Analyseliste» parallel angegangen, denn die beiden Projekte hängen zusammen ohne das eine ist das andere nicht realisierbar und umgekehrt. 

Die unternommenen Schritte zum Ziel «Verordnungskompetenz», die nur über einen parlamentarischen Entscheid erfolgreich realisierbar sind, sind hier nachzulesen: Link

Fazit Verordnungskompetenz: Wir stehen auf Ebene Ständerat und das Maxiprojekt für den SHV ist verpackt im Kostendämpfenden Massnahmenpaket_2. Wo dieses Paket hingeht, geht unser Projekt mit und wenn es stehen bleibt, müssen auch wir warten. Politik braucht gute Nerven. 

Teilerfolg Analyseliste: Parallel zu den Arbeiten an der Verordnungskompetenz haben wir die Auflagen des BAG betreffend Analyseliste erfüllt: Beweise erbringen, dass die eingereichten Analysen wirklich im Curriculum der Fachhochschulen, verantwortlich für die Hebammenausbildung, verankert sind und gemeinsames Red-und-Antwort-stehen vor Ort zusammen mit zwei  Chefärzten der Schweizerischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (SGGG) vor der Kommission, welche die finale Entscheidung trifft. (August 2023)

Im Dezember 2023 und Ende Januar 2024 hat die zuständige Eidgenössische Kommission für allgemeine Leistungen und Grundsatzfragen (ELGK)
kommuniziert, welche Analysen neu ab dem 1.1.2024 durch Hebammen angeordnet und ausgeführt werden dürfen. Da die Begründung für die abgelehnten Analysen fehlten, musste der SHV noch bis Ende Januar 2024 auf weitere Informationen warten und konnte daher nicht früher mit allen Fakten informieren. 

Folgende Analysen wurden akzeptiert und dürfen seit dem 1.1.2024 zulasten Grundversicherung in Rechnung gestellt werden:

Folgende Analysen wurden gestrichen, da sie entweder mit aktuellen Analysen ersetzt oder nicht mehr verwendet werden:

Folgende Analysen wurden aus unterschiedlichen Gründen abgewiesen, bitte den jeweiligen SHV-Hinweis beachten:

Positionen 1206.00: Bilirubin, direkt und 1207.00: Bilirubin, gesamt: Diese Analysen beziehen sich auf das Neugeborene und fallen daher nicht unter den aktuellen Rechtsrahmen der
Hebammen nach dem Bundesgesetz über die Krankenversicherung (KVG). (Hinweis SHV: Hier braucht es eben eine Verordnungskompetenz, siehe oben). 

Position 1329.00: Folat, Blut und Position 1749.00: Vitamin B12 bzw. Cobalamin: Die Kommissionen berücksichtigten, dass die Folsäuresupplementation idealerweise vor der Empfängnis beginnen sollte, um Neuralrohrdefekte beim Fötus zu verhindern. Ausserdem werden diese beiden Analysen in den nationalen und internationalen Leitlinien nicht für Kontrolluntersuchungen einer sogenannten normalen Schwangerschaft empfohlen oder genannt. Daher wurde das Kriterium der Zweckmässigkeit als nicht erfüllt erachtet. 

Position 1363.00: Hämoglobin A1c: Im Expertenbrief Nummer 37 der Schweizerischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (SGGG) wird klar dargestellt, dass die Bestimmung
des HbA1c-Werts keine empfohlene Alternative zum Glukosebelastungstest für das Screening auf Schwangerschaftsdiabetes darstellt. (Hinweis SHV: SHV hatte argumentiert, dass in besonderen Fällen, z. B. einem Status nach einer bariatrischen Operation oder einer Hyperemesis gravidarum diese Analyse wichtig wäre).

Position 1718.10: Thyreotropin (TSH): Der SHV beantragte diese Analyse als einmalige Untersuchung im 1. Trimenon bei allen Schwangeren. Jedoch empfiehlt keine nationale Richtlinie
eine systematische Bestimmung des TSH während der Schwangerschaft, womit das Kriterium der Zweckmässigkeit als nicht erfüllt betrachtet wurde. In der vom SHV eingereichten Tabelle wurden weitere Indikationen genannt („Kontrolluntersuchung bei medikamentös behandelten Schwangeren oder St. n. Hypo- oder Hyperthyreose oder
bei klinischen Symptomen einer Hyper- oder Hypothyreose“). Diese Situationen fallen in den Kontext von Diagnose und Behandlung einer Krankheit gemäss Artikel 25 KVG. Hierzu sind die Hebammen gemäss der aktuellen Rechtslage nicht befugt, zulasten der obligatorischen Krankenversicherung (OKP) tätig zu sein. (Hinweis SHV: Sobald eine Verordnungskompetenz für die Hebammen Realität wäre, würde der SHV diese Analyse erneut einreichen).

Positionen 6001.03: Extraktion von menschlichen Nukleinsäuren (genomische DNA oder RNA) aus Primärproben und 6603.50: Molekulare Genotypisierung der fetalen Erythrozenantigene (HEA) RH1 (D), KEL1 (K), RH2 (C), Rh3 (E), Rh4 (c), JK1 (Jka), der fetalen Thrombozytenantigene HPA-1a, HPA-5b und anderer fetaler Antigene und 1281.10: Erythrozyten, direkter Test gegen humane Globuline. Technik: Agglutination der Erythrozyten mit polyspezifischen oder monospezifischen Immunseren (IgG, Subklassen IgG, IgA, IgM,C3d, C3c): Der SHV beantragte diese Analysen mit dem Zweck, eine feto-maternale Bluttransfusion bei Rhesuskonstellation auszuschliessen, die Notwendigkeit einer Rh-Prophylaxe bei der Mutter nach der Geburt zu beurteilen und das Risiko beim Kind für eine Hämolyse zu bestimmen.
Diese Situationen fallen nicht unter die Kontrolluntersuchungen gemäss Art. 13 KLV, sondern unter Art. 25 KVG (Diagnostik und Behandlung von Krankheiten), wozu die Hebammen gemäss
der aktuellen Rechtslage nicht berechtigt sind. Für die Kommissionen stellen sich hier zudem Fragen der Zweckmässigkeit (z.B. wie eine angemessene Indikationsstellung und Interpretation
der Befunde erfolgen kann). (Hinweis zum letzten Satz: Ohne Worte). (Hinweis SHV: Sobald eine Verordnungskompetenz für die Hebammen Realität wäre, würde der SHV diese Analyse erneut einreichen).

Position 3009.00: Cytomegalovirus, Ig oder IgG und Position 3010.00 : Cytomegalovirus, IgM:
Der SHV beantragte diese Analysen zur Abklärung eines Verdachts auf eine Infektion während der Schwangerschaft, was nicht unter die Kontrolluntersuchungen gemäss Art. 13 KLV fällt. Die Abklärung bei Verdacht auf eine Infektion fällt unter Art. 25 KVG (Diagnostik und Behandlung von Krankheiten), wozu die Hebammen gemäss der aktuellen Rechtslage nicht berechtigt sind.
(Hinweis SHV: Sobald eine Verordnungskompetenz für die Hebammen Realität wäre, würde der SHV diese Analyse erneut einreichen).

Position 3178.00: Varicella-Zoster-Virus, Ig oder IgG und Position 3179.00: Varicella-Zoster-Virus, Zoster, IgM:
Der SHV beantragte diese Analysen zur Abklärung eines Verdachts auf eine akute Infektion sowie zur Bestimmung des Immunstatus der Schwangeren. Die erste Situation fällt unter Art. 25 KVG (Diagnose und Behandlung von Krankheiten), wozu die Hebammen gemäss der aktuellen Rechtslage nicht berechtigt sind.
(Hinweis SHV: Sobald eine Verordnungskompetenz für die Hebammen Realität wäre, würde der SHV diese Analyse erneut einreichen).

Position 3143.00: Parvovirus B19 oder Erythrovirus, Ig oder IgG und Position 3144.00: Parvovirus B19 oder Erythrovirus, IgM:
hierzu gibt es keine nationale Empfehlung, die eine systematischen Bestimmung der Immunität gegen Parvovirus B19 empfiehlt. Eine kanadische
Richtlinie3 empfiehlt keine routinemässige Untersuchung bei Schwangeren mit geringem Risiko durchzuführen. Daher wurde das Kriterium der Zweckmässigkeit als nicht erfüllt erachtet. Schwangere Frauen mit einer möglichen akuten Infektion sollten an einen Arzt überwiesen werden, da ein positives Testergebnis eine spezialärztliche Beratung notwendig macht. Diese Situation fällt unter Art. 25 KVG (Diagnose und Behandlung von Krankheiten), wozu die Hebammen gemäss der aktuellen Rechtslage nicht berechtigt sind. (Hinweis SHV: Sobald eine Verordnungskompetenz für die Hebammen Realität wäre, würde der SHV diese Analyse erneut einreichen).

Übersicht über alle Analysen ab dem 1.1.2024:

 

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