Übersetzter Auszug aus dem Statement des ICM:
«…….«Obstetric violence» während der Geburt, Misshandlung und Gewalt gegen Frauen, die sexuelle und reproduktive Gesundheitsdienste in Anspruch nehmen, sind schwerwiegende Menschenrechtsverletzungen sowie eine anerkannte Form geschlechtsspezifischer Gewalt (1). Daher müssen sie im Kontext der Menschenrechte (einschließlich reproduktiver Rechte) betrachtet werden und nicht als bloße Frage der Versorgungsqualität (2). Obwohl diese Menschenrechtsverletzungen alle Frauen im reproduktiven Alter betreffen können, sind geschlechtlich diverse Personen sowie Frauen aus marginalisierten und rassifizierten Gemeinschaften unverhältnismäßig stark betroffen (3,4).
Obwohl die spezifische Terminologie unter Gesundheitsexperten diskutiert wird, hat die Sonderberichterstatterin der Vereinten Nationen für Gewalt gegen Frauen den Begriff obstetric violence übernommen, um Gewalt zu beschreiben, die Frauen während einer klinikbasierten Geburt erfahren. Den Begriff mistreatment and violence against women in reproductive health services verwendet sie für Gewalt, die Frauen bei der Inanspruchnahme anderer sexueller und reproduktiver Gesundheitsdienste widerfährt (4).
Das Hebammenmodell der Versorgung wird von Hebammen in vielen Kontexten praktiziert, einschließlich in klinikbasierten Geburten unter Leitung von Hebammen oder Gynäkolog*innen. Dennoch arbeiten viele Hebammen in klinikbasierten Geburtssettings nach dem ärztlich geleiteten Versorgungsmodell. Die Philosophie und das Modell der Hebammenversorgung des ICM (International Confederation of Midwives) basieren auf einem Verständnis für die sozialen, emotionalen, kulturellen, spirituellen, psychologischen und physischen Erfahrungen von Frauen (5). Aus diesem Grund hat der ICM beschlossen, die von Menschenrechtsorganisationen und Frauengruppen weltweit verwendete Terminologie zu übernehmen und den Begriff obstetric violence zu nutzen, um Gewalt zu beschreiben, die Frauen während Geburten in unterschiedlichen Settings erfahren. Wichtig ist dabei, dass dieser Begriff die Erfahrungen, Bedürfnisse und Wünsche der Frauen auf die gleiche Ebene stellt wie die der Gesundheitsfachkräfte (6).
Obwohl der englische Begriff obstetric violence suggerieren mag, dass diese Form der Gewalt von Gynäkolog*innen ausgeübt wird, umfasst der Begriff in anderen Sprachen ein breiteres Spektrum an Fachkräften, die klinikbasierte Geburtsdienste anbieten, einschließlich Hebammen. Wie bei allen Formen von Gewalt besteht der einzige Weg, sie zu beenden, darin, sie zu benennen und zu definieren, sowie die Gelegenheit zu schaffen, das Gesundheitssystem und die Herangehensweise einzelner Gesundheitsdienstleister an die Versorgung während der Geburt zu hinterfragen und zu verbessern (6).
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