Gesundheit der Frauen. Bessere Berücksichtigung ihrer Eigenheiten

Frauen haben andere gesundheitliche Bedürfnisse als Männer. Diesem Umstand wird heute bei der Behandlung und in der Forschung zu wenig Rechnung getragen. Der Bundesrat hat an seiner Sitzung vom 15. Mai 2024 einen Postulatsbericht verabschiedet, in dem Handlungsbedarf aufgezeigt wird. Er beauftragt zudem mehrere Bundesstellen damit, in der Forschung, Prävention und Ausbildung Massnahmen umzusetzen.

Der Bericht gibt insbesondere an: «Frauenspezifische Krankheiten werden oft vernachlässigt. Zum Beispiel vergehen laut Expertinnen und Experten in der Schweiz durchschnittlich 6 bis 9 Jahre, bis Endometriose diagnostiziert wird. Dies kann zu einer Narbenbildung führen, welche unbedingt verhindert werden sollte.»

Anmerkung der Redaktion: Es ist zu beachten, dass dieser Bericht lediglich die spezifischen Bedürfnisse von Frauen im Hinblick auf Endometriose hervorhebt und nicht diejenigen in Bezug auf sexuelle oder reproduktive Gesundheit oder Mutterschaft im Allgemeinen (einschliesslich Stillen).

  Quelle: Medienmitteilung des Bundesrates vom 15. Mai 

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  Postulatsbericht_Gesundheit der Frauen 

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Dringender Aufruf: Personalmangel im Gesundheitswesen nicht auf Kosten der Ärmsten bekämpfen!

Der Mangel an Gesundheitsfachpersonen spitzt sich zu – in der Schweiz und weltweit.
30.9 Millionen Pflegefachpersonen fehlten weltweit im Jahr 2019, gemäss Schätzungen des International Council of Nurses ICN. Dieser Mangel hat sich durch die Covid-19-Pandemie verschärft und spitzt sich weiter zu – aufgrund der Alterung der Gesellschaft und weil viele Pflegefachpersonen nach der Pandemie den Beruf verlassen haben.
Die Schweiz hat bis 2029 einen zusätzlichen Bedarf von 15’900 Pflegefachpersonen.

Darüber hinaus müssen 27’500 Pflegefachpersonen ersetzt werden, die in den nächsten Jahren pensioniert werden. Diese Zahlen stammen aus dem nationalen Versorgungsbericht des Schweizerischen Gesundheitsobservatoriums (obsan 2021).
Der Mangel beschränkt sich nicht auf die Pflegefachpersonen, sondern betrifft alle Gesundheitsberufe:
Ärzt*innen, Hebammen, Ergo-; Physiotherapeut*innen und weitere.

Rekrutierung im Ausland löst den Mangel an Fachpersonal nicht. Institutionen rekrutieren Gesundheitsfachpersonal aus dem Ausland, um ihre offenen Stellen zu
besetzen. 30 Prozent der diplomierten Pflegefachpersonen, die in der Schweiz arbeiten, wurden laut obsan 2021 im Ausland ausgebildet.
Bereits im Jahr 2012 forderten Verbände der Gesundheitsberufe, Gewerkschaften und Organisationen der internationalen Zusammenarbeit in einem Manifest, dass die Schweiz konsequent den WHO-Kodex zur internationalen Rekrutierung von Gesundheitspersonal umsetzen muss, der die Einhaltung von ethischen Grundsätzen fordert. Denn nur, wenn alle Länder qualitativ gute Arbeitsplätze für das
Personal bei ausreichender Bezahlung sicherstellen und bedarfsgerecht genügend Personal ausbilden, kann die Gesundheitsversorgung weltweit und in der Schweiz nachhaltig sichergestellt werden.

Nach zwölf Jahren und einer Pandemie zeigt sich: Die Schweiz kommt ihrer Verantwortung nicht nach, sondern rekrutiert mehr denn je im Ausland. Gleichzeitig hat die Zahl der Länder, die von extremem Gesundheitspersonalmangel betroffen sind, von 48 auf 55 zugenommen (WHO 2023).

Fairness, Verantwortung und das Recht auf Gesundheitsversorgung weltweit stehen auf dem Spiel. Durch die nicht regulierte weltweite Rekrutierung von Gesundheitspersonal leiden die Menschen im globalen Süden am meisten. Ausgerechnet die Menschen also, die von einer weitaus höheren Krankheitslast als wir betroffen sind. Das ist unfair und unsolidarisch.
Die Gesundheitsversorgung im globalen Süden wird dadurch zusätzlich geschwächt. Das für viel Geld ausgebildete Personal verlässt Gemeindegesundheitszentren und Distriktspitäler. Das ist unverantwortlich.
Geschwächte Gesundheitsversorgung weltweit gefährdet die Gesundheit von Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen und Senior*innen. Das widerspricht dem Menschenrecht auf Gesundheit.

Die unverantwortliche Rekrutierungspraxis, auch von der Schweiz, führt dazu, dass
Krankheitsausbrüche nicht verhindert, eingegrenzt und bekämpft werden können. Das gefährdet die Gesundheit weltweit – auch der Menschen in der Schweiz.
Gesundheit ist der Schlüsselfaktor menschlicher Entwicklung – die unregulierte Rekrutierungspraxis gefährdet damit Frieden, Sicherheit und die Erreichung der Agenda 2030 der Vereinten Nationen. Das ist nicht nachhaltig.

Forderungen
Das Recht auf Gesundheit ist weltweit ein Recht für alle und das Gesundheitspersonal keine Ware.
Darum fordern wir:
• Die konsequente Einhaltung des WHO-Kodexes durch alle Schweizer Akteur*innen im
Schweizer Gesundheitssystem: Bund, Kantone, Spitäler, Heime…

• Kantone und Arbeitgeber*innen müssen in ein qualitativ gutes Arbeitsumfeld im
Gesundheitswesen investieren, damit nicht noch mehr Gesundheitspersonal aus Spitälern, Heimen und weiteren Gesundheitsinstitutionen davonläuft. Die Vorschläge dazu liegen längst auf dem Tisch (SBK 2022).

• Die Mittelverteilung im Gesundheitssystem muss stärker auf das Gesundheitspersonal
ausgerichtet werden – das heisst auf diejenigen Menschen, die tagtäglich die
Gesundheitsversorgung der Bevölkerung sichern.

• Ausbildung: Qualität in der Ausbildung ist wichtig und die Kantone sind in der Verantwortung, dass die notwendigen Mittel gesprochen werden.

• Die internationale Zusammenarbeit der Schweiz muss gestärkt werden. Finanzielle Kürzungen treffen verschiedenste gesellschaftliche Bereiche, welche für die Gesundheit wichtig sind. Die Schweiz muss sich in der Gesundheitssystemstärkung und die Ausbildung von Gesundheitspersonal verstärkt engagieren.

• Die Schweiz soll sich international als Vorreiterin für die Umsetzung des WHO-Kodexes engagieren und innerhalb der WHO auf eine stärkere Verbindlichkeit des Kodexes hinwirken.

Dringender Aufruf
Lanciert vom Netzwerk Medicus Mundi Schweiz und dem Berufsverband der Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner SBK, unterstützt durch eine breite Koalition von Schweizer Organisationen der internationalen Gesundheitszusammenarbeit, Gewerkschaften und Berufsverbänden.
Liste der unterzeichnenden Organisation siehe nachfolgend.

Unterzeichnende Organisationen
Alliance Sud
Amnesty International Schweiz
Enfants du Monde
Fondation suisse pour la santé mondiale
Fondation Terre des hommes
Handicap International
Schweizerischer Berufsverband der biomedizinischen Analytik und Labordiagnostik labmed
Médecins du Monde Suisse
Medicus Mundi Schweiz
medico international schweiz
mfe – Haus- und Kinderärzte Schweiz
Mission 21
Organizzazione cristiano-sociale ticinese ocst
physioswiss
Plattform Agenda 2030
Plattform Interprofessionalität
Public Health Schweiz
Schweizerischer Verband der Berufsorganisationen im Gesundheitswesen SVBG
Schweizer Berufsverband der Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner SBK-ASI
Schweizerischer Verband der Ernährungsberater/innen SVDE
Schweizerischer Hebammenverband SHV
Schweizerisches Tropen- und Public Health-Institut
Sexuelle Gesundheit Schweiz
SolidarMed
Swiss Alliance against Neglected Tropical Diseases
Syna – Die Gewerkschaft
Travail.Suisse
Unia
Verband des Personals Öffentlicher Dienste vpod

Kontakt:
Martin Leschhorn Strebel, Netzwerk Medicus Mundi Schweiz
Murbacherstrasse 34, 4056 Basel
mleschhorn@medicusmundi.ch

SBK-ASI
Choisystrasse 1, Postfach, 3001 Bern
031 388 36 36
newsroom@sbk-asi.ch

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Immer mehr Menschen sind bei der Arbeit gestresst

Schweizerische Gesundheitsbefragung: Arbeit und Gesundheit 2012-2022

Der Anteil der Personen, die sich gemäss eigenen Angaben bei der Arbeit gestresst fühlen, hat sich innert zehn Jahren (2012–2022) von 18% auf 23% erhöht. Von allen Arbeitsbedingungen, die physische oder psychosoziale Risiken für die Gesundheit darstellen, hat Stress am stärksten zugenommen. Mehr als die Hälfte (53%) der gestressten Personen fühlen sich bei der Arbeit zudem emotional erschöpft und haben folglich ein höheres Burnout-Risiko. Dies sind einige Ergebnisse aus der Publikation des Bundesamtes für Statistik (BFS) zum Thema Arbeit und Gesundheit.

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Gesundheit der Frauen. Bessere Berücksichtigung ihrer Eigenheiten

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Weltstillwoche 2024: Schliessen wir Lücken!

Die diesjährige Weltstillwoche ruft unter dem Motto «Schliessen wir Lücken!» dazu auf, das Stillen in allen Bevölkerungsschichten und auch für besondere Stillsituationen zu fördern und zu unterstützen.

Wann? 14. – 21. September 2024

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Neu empfohlene Impfungen und Anpassungen 2024

Das Bundesamt für Gesundheit hat seine Impfempfehlungen für Kinder aktualisiert. Unter den Anpassungen 2024:

  • Rotavirus: Neu empfohlene Schluckimpfung für Säuglinge mit 2 und 4 Monaten
  • Meningokokken B: Neue Impfung für Kinder ab 2 Monaten
  • Meningokokken ACWY: Impfung für Kleinkinder neu bereits mit 12-18 Monaten empfohlen (vormals mit 24 Monaten)
  • HPV: Neu als Basisimpfung für alle Jugendlichen empfohlen, idealerweise mit 11–14 Jahren
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Fachmagazin «Clic» neu als Online-Magazin

Das Fachmagazin «Clic» des Schweizerischen Fachverbandes Mütter- und Väterberatung erscheint seit diesem Jahr als Online-Magazin. Die erste Ausgabe ist soeben erschienen mit spannenden Artikeln – unter anderem zum Thema Elternschaft und Narzissmus, Social Media-Nutzung in der Beratung und Parental Load.

Einmalig bietet der Fachverband ein Probeabo für Hebammen zum Jahresabo-Preis von CHF 20.00 an!

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Jetzt im Kino: Les paradis de Diane

Nach der Geburt ihres ersten Kindes taucht Diane in einer unbekannten Stadt unter. Aber ihr Körper erinnert sie, wovon sie geflohen ist. Der Film greift den Mythos Familie an, Mutterschaft wird als etwas dargestellt, das nicht unbedingt vorherbestimmt, angeboren oder natürlich ist. Weit entfernt von zuhause baut Diane wieder eine Verbindung zu ihrem Körper auf und findet Wahrheit …

 Zum Vorfilm Les paradis de Diane

In der nächsten «Obstetrica» zu lesen: Eine Filmbesprechung mit unterschiedlichen Stimmen zum Film. 

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Weiterbildung «Begleitung beim späten Schwangerschaftsabbruch»

Kindsverlust.ch bietet eine eintägige Weiterbildung zum Thema «Begleitung beim späten Schwangerschaftsabbruch: Was brauchen Eltern von Fachpersonen?» an. Geleitet wird das Seminar von Uli Michel, einer erfahrenen Hebamme und Trauma-Fachberaterin sowie Leiterin der Bethanien Sternenkinder Beratungsstelle in Münster/Osnabrück.

Wann? 30. April 2024 Wo? Volkshaus Zürich Teilnahmegebühr:  CHF 280.- für Mitglieder und CHF 350.- für Nichtmitglieder.

Hebamme stehen mitten im akuten Geschehen, wenn es darum geht, Mütter und Väter durch die komplexen und emotional herausfordernden Momente eines späten Schwangerschaftsabbruchs zu begleiten. Das Erleben der Eltern ist geprägt von den Umständen während des Entscheidungsprozesses, der Begleitung während des Schwangerschaftsabbruchs und der Möglichkeit in der Folgezeit dem Erlebten Raum zu geben. Dieses vielschichtige Thema erfordert von Fachpersonen eine wertfreie, offene Haltung und einen reflektierten Umgang mit der nicht selten auftretenden eigenen Betroffenheit.

In der  Weiterbildung «Begleitung beim späten Schwangerschaftsabbruch: Was brauchen Eltern von Fachpersonen?» werden konkrete Fragetechniken, Handlungsmöglichkeiten und Visualisierungen für die ressourcenfokussierte Begleitung betroffener Familien erlernt. Die Teilnehmenden erhalten Raum um die eigene Haltung und die besondere Rolle als Fachperson zu reflektieren.

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