Kaiserschnittrate in der Schweiz

Eine der Empfehlungen in der Top-5-Liste von smarter medicine «choosing wisely», die zusammen mit dem Schweizerischen Hebammenverband erarbeitet wurde, lautet: «Keine routinemässigen Kaiserschnitte bei Status nach Sectio empfehlen oder planen». Die vom Bundesamt für Statistik herausgegebene «Rangliste» zeigt auf, bezogen auf den Zeitraum 2007 – 2022, in welchen Kantonen die Kaiserschnittraten in den letzten Jahren gestiegen und in welchen sie gesunken sind. Der Kanton Zug bezieht mit einer Rate von über 40 Prozent die Spitzenposition bei den Kaiserschnitten. Als Kontrast: Im Kanton Jura liegt die durchschnittlichen Kaiserschnittrate bei rund einem Fünftel der Geburten.

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«Smarter medicine»: Diese fünf Behandlungen in der Geburtshilfe sind unnötig

Der gemeinnützige Verein «smarter medicine – Choosing Wisely Schwitzerland» setzt sich gegen medizinische Über- und Fehlversorgung ein, indem er Listen mit grundsätzlich unnötigen Behandlungen veröffentlicht. Der Schweizerische Hebammenverband hat nun eine Liste mit Behandlungen
erstellt. Darunter gehört das frühzeitige Durchschneiden der Nabelschnur, routinemässige Kaiserschnitte (auch bei Frauen mit früherem Kaiserschnitt) oder Dammschnitte bei vaginalen Geburten.
Interventionen bei einer Geburt können zu jedem Zeitpunkt nötig sein, aber auch potenziell
Schaden anrichten. Der Schweizerische Hebammenverband SHV ruft deshalb mit der
Publikation einer sogenannten «Top-5-Liste» dazu auf, solche Eingriffe sorgfältig abzuwägen
und nur einzusetzen, wenn diese einen Mehrwert bieten. Die Empfehlungen sollen Diskussionen auf Augenhöhe zwischen Frauen bzw. Paaren, Hebammen sowie Ärztinnen und Ärzten ermöglichen.

Top-5-Liste: Die fünf Empfehlungen auf einen Blick
1) Kein Durchschneiden der Nabelschnur vor der ersten Minute nach Geburt, ausser wenn
das Kind medizinische Hilfe braucht.
2) Keine künstliche Geburtseinleitung oder Kaiserschnitt planen vor der 39 0/7
Schwangerschaftswoche, ausser es gibt einen klaren medizinischen Grund dafür.
3) Keine routinemässigen Kaiserschnitte empfehlen oder planen, auch nicht bei Frauen mit
früherem Kaiserschnitt.
4) Keine Wehenunterstützung mit Medikamenten bei einer Geburt, ausser es gibt für die
Mutter oder das Kind einen medizinischen Grund.
5) Keine routinemässigen Dammschnitte bei vaginalen Geburten.

   zu den ausführlichen Empfehlungen sowie die Literaturangaben

 

Die Empfehlungen sind als Leitlinien zu verstehen, die eine gemeinsame
Entscheidungsfindung der Gesundheitsfachperson mit den Eltern über das Vorgehen
bewirken soll. Deshalb werden die Top-5-Listen auch in eine für Laien verständliche Sprache
übersetzt und veröffentlicht. Zudem sollen sich Patientinnen und Patienten auf ein
medizinisches Gespräch vorbereiten und beispielsweise Fragen zu den verschiedenen
Behandlungsmöglichkeiten, den Vor- und Nachteilen der empfohlenen Behandlung und
deren Wahrscheinlichkeit stellen.

Eine effizientere und nachhaltigere Medizin
Nach dem Motto «Weniger ist manchmal mehr» will der gemeinnützige Verein «smarter
medicine» die begrenzten Ressourcen in der Gesundheitsversorgung zum Wohle der
Patientinnen und Patienten effizient und gewinnbringend einsetzen. Nach dem Verband
für Physiotherapie ist der Schweizerische Hebammenverband der zweite
Gesundheitsberufsverband, der eine Top-5-Liste erarbeitet hat. 

   zum Artikel in der «Obstetrica»

 

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«Choosing wisely»: Die Top-5-Liste der unnötigsten Untersuchungen

Die Schweizerische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe gibt fünf Empfehlungen ab für die unnötigsten Untersuchungen. Dazu gehören:

  • Keine routinemässige Antibiotikagabe bei unkomplizierter Blasenentzündung und asymptomatischer Bakteriurie;
  • Kein jährlicher zytologischer Abstrich im Rahmen der regelmässigen gynäkologischen Kontrollen;
  • Keine routinemässigen Hormonabklärungen bei menopausalen Beschwerden;
  • Keine unbegründete Behandlung von Myomen oder Gebärmutterentfernung wegen Myomen;
  • Keine operative Entfernung harmloser Ovarialzysten ohne akute Beschwerden.

Kernstück von «Choosing Wisely» sind sogenannte «Top-5-Listen» aus jeder klinischen Fachdisziplin. Der Verein Smarter Medicine will nach dem Motto «weniger ist mehr» auf das Thema Fehl- und Überversorgung in der Medizin fokussieren.  

 

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