Verein Familienbegleitung in Fribourg: Das Wartezimmer als Ort der Begegnung

Die Januar-Ausgabe 2025 der Zeitschrift Obstetrica widmet sich in einem Bericht dem in November stattgefundenen „Webinar mit Akteur*innen der frühen Kindheit: Gemeinsam von Anfang an! Wie gelingt das?“ Diese Veranstaltung wurde gemeinsam vom Schweizerischen Hebammenverband, dem Schweizerischen Verband Mütter- und Väterberatung, alliance enfance, Public Health Schweiz und a:primo organisiert. Der Bericht beleuchtet die zentralen Themen und Impulse der Veranstaltung und zeigt auf, wie eine enge Zusammenarbeit in der frühen Kindheit erfolgreich gestaltet werden kann. die deutsche Version des im französischen Teil erschienenen Beitrags zur Familienbegleitung in Fribourg von Rebekka Sieber. 

 

Die (familienzentrierte) Netzwerkarbeit und die interdisziplinäre Zusammenarbeit im Bereich der frühen Kindheit ist im Kanton Fribourg strukturell wenig verankert. Sie hängt hauptsächlich von der Initiative und dem Engagement einzelner Personen oder Dienste ab.

In diesem nicht formalisierten Kontext wurden Dienstleistungen für Familien entwickelt, die gleichzeitig die interdisziplinäre Zusammenarbeit stärken und die Qualität der Netzwerkarbeit verbessern. Einige dieser Praxisbeispiele werden hier vorgestellt.

 Kompetenzen stärken und Partnerschaften fördern

Der seit 1998 aktive Verein Familienbegleitung hat die Mission, Familien mit Kindern von 0 bis 7 Jahren sowie Fachpersonen in ihren Erziehungskompetenzen zu stärken und Erziehungspartnerschaften zu fördern. In allen Bezirken des Kantons werden folgende Dienstleistungen regelmässig und grösstenteils kostenlos für Familien angeboten:

  • Eltern-Kinder-Cafés
  • Erziehungssprechstunden
  • Telefonische Sprechstunden
  • Workshops
  • Individuelle Familienbegleitungen zu Hause

Die Angebote werden in Zusammenarbeit mit Partner*innen aus den Bereichen Gesundheit, Soziales, Kultur, familienergänzende Betreuung, Bildung, Integration und Gastronomie organisiert und finden jeweils in den entsprechenden Räumlichkeiten statt – so zum Beispiel Sprechstunden und Workshops bei Kinderärztinnen und -ärzten sowie bei der Mütter- und Väterberatung. Diese wurden seit 2004 schrittweise entwickelt und kontinuierlich ausgebaut. Aktuell werden sie durch Leistungsaufträge des Kantons Freiburg und durch eigenes Fundraising des Vereins finanziert.

 

Im Wartezimmer anzutreffen: pädagogische Mitarbeiter*innen

Die pädagogischen Mitarbeiter*innen des Vereins Familienbegleitung sind einmal pro Monat im Wartezimmer der Kinderarztpraxis oder im Konsultationsraum der Mütter- und Väterberatung präsent. Sie können auf Erziehungsfragen der Familien eingehen, den Austausch mit den anderen anwesenden Familien fördern und Informationen zu den verschiedenen Anlaufstellen im Kanton geben. Oft geschieht eine erste Kontaktaufnahme über das Spiel mit den Kindern. So können die erwachsenen Begleitpersonen unverfänglich ins Gespräch kommen. Manchmal kommen die Familien, ermutigt durch die anwesenden Fachpersonen, in der Regel sind das Sozial- und Heilpädagoginnen und -pädagogen, aber auch eine Hebamme und Kindererzieherin mit entsprechender Arbeitserfahrung und Weiterbildungen, nach der medizinischen Konsultation noch einmal zurück ins Wartezimmer. Oft stellen sie dann konkrete Fragen oder bringen Themen aus der medizinischen Konsultation zur Vertiefung mit.

 

Interdisziplinäre Beziehungen

Gleichzeitig führt die Präsenz verschiedener Fachpersonen am selben Ort dazu, dass sie sich gegenseitig besser kennen lernen, sich der beruflichen Realität der anderen bewusster werden und sich die interdisziplinären Beziehungen verbessern. Diese Beziehungsqualität und die gemeinsamen Interventionen führen auch zu einer adäquateren Begleitung von Familien und einer effizienteren Netzwerkarbeit. Konkret wird die Analyse von Praxisbeispielen im regelmässigen Austausch vertieft, und es werden gemeinsame Haltungen und Ziele geschaffen. Auch führt die bessere Kenntnis der anderen Fachpersonen und der Angebote dazu, dass Familien öfter und effektiver an Partnerdienste vermittelt werden.

Rahmenbedingungen

Damit dies funktionieren kann, sind erfahrungsgemäss folgende Rahmenbedingungen hilfreich:

  • Stimmiger Zeitpunkt und angenehme Räumlichkeiten, sowohl für Familien als auch für beteiligte Fachpersonen;
  • Präsenz und Verfügbarkeit aller Anwesenden, damit ein Austausch stattfinden kann;
  • Regelmässigkeit der Treffen und Kontinuität der Zusammenarbeit;
  • Klärung von Fragen der Vertraulichkeit;
  • Klärung der Rollen und Komplementarität der Fachpersonen;
  • Gespräche sowie regelmässige Bilanz und Anpassung der Zusammenarbeit unter Fachpersonen, vor oder nach der Anwesenheit der Familien.

Strategie für ein gemeinsames Netzwerk

Eine kantonale Strategie für die frühe Kindheit ist in Freiburg zurzeit in Erarbeitung. Diese wird in den nächsten Jahren wahrscheinlich dazu beitragen, dass sich auch Berufsgruppen näherkommen, die noch wenig zusammenarbeiten, und ein gemeinsames Netzwerk entsteht. Hiermit ist zum Beispiel die Zusammenarbeit zwischen Pädagoginnen und Pädagogen sowie Hebammen oder zwischen dem Kantonsspital und dem (sozial)pädagogischen Bereich gemeint. Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass diese langjährigen Partnerschaften Brücken zwischen dem medizinischen und dem sozialen Bereich schlagen und eine gemeinsame Stimme gegenüber der Politik bilden. Zudem erlaubt die Zusammenarbeit der Fachpersonen eine bessere Erreichbarkeit der Angebote für Familien und mehr Kohärenz in der Begleitung.

 

Rebekka Sieber,

Dr. in Soziologie und Geschäftsleiterin des Vereins «Familienbegleitung Freiburg», arbeitet seit 2008 im Bereich der frühen Kindheit und in Zusammenarbeit mit Fachpersonen der Gesundheit.

 

Verein Familienbegleitung

Der Verein Familienbegleitung führt im Kanton Freiburg jährlich folgende Aktivitäten in Zusammenarbeit mit Fachpersonen aus dem medizinischen Bereich durch:

– 200 Erziehungssprechstunden in 16 verschiedenen Kinderarztpraxen;

– 50 Erziehungssprechstunden und 30 Workshops für Eltern mit ihren Kindern bei der Mütter- und Väterberatung;

– wöchentliche Präsenz auf der Geburtenabteilung des Kantonsspitals.

  Zu den weiteren Informationen

 

 

 

 

 

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Programm Schweizerischer Hebammenkongress 2025

Der Schweizerische Hebammenkongress findet am 15.05/16.05 2025 im Forum Fribourg in Fribourg statt. Das Kongressmotto lautet: Future Generations – sind wir bereit?

Erstmals findet die Delegiertenversammlung am Morgen des 15.05.25 statt, anschliessend startet der Kongress mit dem ersten Blockthema: „Als Hebamme arbeiten“. In diesem Block kommen Hebammen aus unterschiedlichen Settings zu Wort: Eine Hebamme, die sich zugleich in der Politik engagiert, eine Hebamme, die in der Forschung arbeitet, eine Hebamme, die sich in der Eröffnungsplanung zu einem Geburtshaus befindet oder eine Hebamme, die sich in Personalmarketing auskennt. Ebenfalls werden Studienergebnisse einer Untersuchung vorgestellt, die sich mit Hebammenkompetenzen befasst: Denjenigen, die man erlernt versus denjenigen, die man schlussendlich in der Realität anwenden kann  oder anwenden darf.

Im Block 2 steht das Thema „Klima und Gesundheit im Wandel“ im Zentrum. Ein Inputreferat beschäftigt sich mit KI gegen Foodwaste im Spital, ein anderes beleuchtet den Klimawandel und die perinatale Gesundheit, insbesondere die Auswirkungen hoher Temperaturen auf Geburtsausgänge. Weiter wird exemplarisch der Co2-Fussabdruck des Gesundheitswesens des Kantons Genf und mögliche Reduktionsszenarios bis im Jahre 2024 beleuchtet.

Das Ende des ersten Kongresstages wird mit der bereits legendären Kongressparty gefeiert. Diese findet im Salle „La Grenètte“ in Fribourg statt.

Der 2. Kongresstag bietet wiederum viele unterschiedliche und spannende Schwerpunkte:
Im Block 3 „Going viral“ steht ganz im Zeichen des „Online-Zeitalters“: Die erste online-Hebammenpraxis der Schweiz stellt sich vor, die APP „Datamama, die evidenbasierte Informationen den Eltern zur Verfügung stellt, wird vorgestellt und das Instagram-Märchen der perfekten Schwangerschaft wird beleuchtet.

Dann bekommen die Hebammen-Studierenden die Bühne und stellen in Kurzform laufende Projekte vor.

Während des gesamten Kongresses hat man wiederum die Möglichkeit Poster aus unterschiedlichen Wettbewerbskategorien zu studieren und sich ein Bild aktueller Projekten von Forschenden oder Studierenden zu machen.

Der Block 4 gibt ein Update zur Wundpflege. Einerseits soll die generelle Wundheilung und unterstützendes Wundmaterial wieder einmal im Zentrum stehen, andererseits aber auch spezielle Wundheilungsprozesse während der Wochenbettphase.

Der Nachmittag des 2. Kongresstages steht ganz im Zeichen der hebammengeleiteten Geburtshilfe: In mehreren Kurzinputs sollen eine breite Palette von hebammengeleiteten Modellen vorgestellt werden: Die Hebamme als Arbeitgeberin im ausserklinischen Setting, das Modell des Spitals Burgdorf, das Modell mit SHV-Anerkennung des Spital Uster, das Modell eines Geburtshauses in der Romandie, ein Modell eines Geburtshauses auf dem Gelände eines Regionalspitals (Bülach) oder hebammengeleitete Geburtshilfe im Belegsystem am Stadtspital in Genf. Einleitend wird die Hebammenprofessorin und Forscherin Jane Sandall, aus dem Vereinten Königreich (UK) die für uns Hebammen so wichtigen Evidenzen zu „Midwife-led-care“ live erläutern.

An beiden Tagen wird die diesjährige Gastsektion (Sektion Tessin) ihr erarbeitetes Projekt auf der Hauptbühne vorstellen. Die Auflösung des Posterwettbewerbs wird den Abschluss des Schweizerischen Hebammenkongresses 2025 bilden.

Die grosszügige Industrieausstellung wird am Nachmittag des ersten Tages und während des 2. Kongresstages ihre Tore geöffnet haben.

Das wissenschaftliche Komitee freut sich auf viele Teilnehmende, bis bald in Fribourg!

 

 

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Schweizerischer Hebammenkongress 2023 – «Hebammen in Krisensituationen»

Am Mittwoch/Donnerstag den 24./25.5. findet der jährliche Schweizerische Hebammenkongress im Forum Fribourg in Fribourg statt. Das Motto lautet: «Hebammen in Krisensituationen». Am Mittwoch ganztags sowie am Donnerstagmorgen werden Referate und Workshops angeboten, am Donnerstagnachmittag wird die Delegiertenversammlung durchgeführt.

Es werden Rednerinnen und Redner zu folgenden Schwerpunktthemen erwartet:

  • Gesundheitsförderung: Rechtliche Situation für schwangere Arbeitnehmer*innen; Gesundheitsförderung im Familiensystem;
  • COVID-19-Pandemie: Auswirkungen von SARS-CoV-2 auf die Schwangerschaft, Geburt und Kind
  • Berufspolitik: Hebammengeleitete Geburtshilfe fördern – politische Vorstösse; Mangel an Praktikaplätzen für Hebammen – Rolle des Kantons; Petition für bessere Arbeitsbedingungen für Spitalhebammen;
  • Migration: Welche Bedürfnisse haben Flüchtende?
  • Berufszufriedenheit: Erweiterte Hebammenrolle in der Freiberuflichkeit in Québec/Kanada; Weshalb geben Hebammen ihren Beruf auf?; Stellenschlüssel im Gebärsaal und neonatale Outcomes;
  • Mentale Gesundheit: Stress im Hebammenberuf; Sekundäre Traumatisierung; Gewalt in der Geburtshilfe.

Und die Workshops? Es werden sowohl Workshops passend zum Motto als auch zu anderen Themen organisiert. Auch gibt es wieder eine integrierte Fort- und Weiterbildung auch für externe Teilnehmer*innen. Weitere Informationen folgen.
Am Abend findet die traditionelle Kongressparty statt. Bei einem feinen Abendessen mit anschließender Tanzmöglichkeit stehen der Austausch mit Kolleg*innen, das Auffrischen von Freundschaften und der Spass im Zentrum.
Die Website für den Kongress wird gerade neu gestaltet. Die Anmeldung sollte im Februar 2023 möglich sein.

Wissenschaftliches Komitee und Team Geschäftsstelle SHV

 

 

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