Änderung der Begrifflichkeiten: Aus «fpH» wird «Hebamme in eigener fachlicher Verantwortung»

Das Gesundheitsberufegesetz (GesBG) sowie das Ausführungsrecht dazu sind am 1. Februar 2020 in Kraft getreten. Das GesBG regelt unter anderem die Voraussetzungen, unter denen die Berufsangehörigen der sieben Gesundheitsberufe eine Bewilligung zur Ausübung ihres Berufes in eigener fachlicher Verantwortung erhalten können. Für die Erteilung dieser Berufsausübungsbewilligungen und die Aufsicht sind die Kantone zuständig.

Was bedeute der Begriff «in eigener fachlicher Verantwortung»?

Der Bundesrat hat diesen Begriff bewusst nicht definiert, da die Zulassungskompetenz bei den Kantonen angesiedelt ist. Da dies seit der Einführung des GesBG zu vielen Fragen seitens der Kantone und Verbände führte, gibt das BAG auf seiner Website auf diese Frage folgende Antwort:

Gemäss «Häufige Fragen (FAQ) zum Gesundheitsberufegesetz (GesBG)»:

Der Begriff «Berufsausübung in eigener fachlicher Verantwortung» umfasst jede Berufstätigkeit, die nicht unter der Aufsicht einer/eines Angehörigen desselben Berufs erfolgt, unabhängig davon, ob es sich um eine unselbständige Tätigkeit in einem öffentlichen oder privaten Unternehmen, oder um eine selbständige Tätigkeit handelt.

Wesentlich ist, dass die abschliessende fachliche Verantwortung für die eigene Berufstätigkeit sowie die Tätigkeit allfälliger Mitarbeitenden bei der Gesundheitsfachperson selber liegt. Es müssen somit sowohl Personen, die selbständig in einer eigenen Praxis tätig sind, als auch angestellte Führungskräfte in Gesundheitseinrichtungen, welche die fachliche Verantwortung für die korrekte Berufsausübung ihrer Mitarbeitenden tragen über eine Berufsausübungsbewilligung verfügen.

Was bedeutet diese Erklärung für Hebammen?

Hebammen mit Einzelfirmen mit und ohne Angestellte (ehemals freipraktizierende Hebammen oder fpH) oder Angestellte von Organisationen der Hebammen (OdH) und – je nach Kanton – auch  angestellte Hebammen von Geburtshäusern auf kantonalen Spitallisten oder Leitende Hebammen und Hebammenexpertinnen in Spitälern fallen unter den Begriff «in eigener fachlicher Verantwortung» und brauchen für Ihre Tätigkeit eine kantonale Berufsausübungsbewilligung.

Aktuell lässt sich beobachten, dass die Kantone bei Hebammen mit Einzelfirmen und Organisationen der Hebammen sehr strikte für alle involvierten Hebammen eine kantonale Berufsausübungsbewilligung verlangen, resp. bei Betriebsbewilligungen für OdH`s prüfen, wer in Besitz einer Berufsausübungsbewilligung ist oder wer noch keine beantragen kann, da die Zulassungsbedingungen (noch) nicht erfüllt sind. 

Was bedeutet diese Erklärung für den SHV?

Der Verband übernimmt diese Begrifflichkeit und führt diese nach und nach ein. Es ist dem Zentralvorstand und dem Team der Geschäftsstelle wichtig, dass der Begriff «freipraktizierende Hebamme» nicht (mehr) als Oberbegriff für Hebammen im ambulanten Tätigkeitsbereich benützt wird, denn damit sind Hebammen, welche sowohl von Hebammen mit Einzelfirmen oder von Organisationen der Hebammen angestellt werden, nicht mit gemeint. 

Der Begriff in eigener fachlicher Verantwortung wirkt daher auch für uns Hebammen inklusiv, denn im ambulanten Tätigkeitsfeld sind damit nun alle hebammen mit gemeint, im stationären, wie oben beschrieben, je nach Kanton die Leitenden Hebammen oder Hebammenexpertinnen, mit Ausnahme der Angestellten der Geburtshäuser, diese werden in manchen Kantonen ebenfalls grundsätzlich unter diesem begriff mitgezählt. 

Gibt es Nachteile?

Der grösste Nachteil ist die Tatsache, dass die Kantone nun einem erweiterten Personenkreis eine kostenpflichtige Berufsausübungsbewilligung aufbrummen kann, was für die Kantone lukrativ ist.

Der Preisüberwacher hat sich zu dieser Thematik, resp. zu den sehr unterschiedlich hohen gebühren dezidiert geäussert: Link zum Artikel

 

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