Die Stilldauer orientiert sich an der Länge des Mutterschaftsurlaubs

In einem neuen Policy Brief der Eidgenössischen Kommission für Familienfragen EKFF befassen sich zwei Autorinnen mit den optimalen Voraussetzungen zur Förderung des Stillens und den Vorteilen, die die Gesellschaft, nicht nur Mutter und Kind, daraus ziehen können. Aufgrund der hierzulande im Ländervergleich kurzen Stilldauer machen sie Empfehlungen für die Schweiz.

Viele Mütter und medizinische Fachkräfte sind sich der Vorteile des Stillens auf verschiedenen Ebenen bewusst. Doch im Alltag kommt es nicht selten vor, dass das Stillen aufgrund familienexterner Faktoren nicht oder (zu) schnell nicht mehr möglich ist. Dies ist insbesondere der Fall, wenn eine Mutter, die ihre Erwerbstätigkeit wieder aufnimmt, von ihrem Arbeitgeber nicht unterstützt wird, oder wenn es finanziell nicht tragbar ist, die für das Stillen erforderlichen Stunden auf Kosten einer anderen Tätigkeit aufzuwenden.

Die am Schweizerischen Tropen- und Public Health-Institut tätigen Autorinnen Sonja Merten, Mitglied der EKFF, und Jordyn Wallenborn sind überzeugt, dass die Vorteile des Stillens über die Familie hinausgehen. In dem von ihnen verfassten Policy Brief formulieren sie verschiedene Empfehlungen. So soll insbesondere das Stillen am Arbeitsplatz und in der Öffentlichkeit verbessert werden; zudem soll eine nationale Kommunikationsstrategie Eltern, Arbeitgeber und die Gesellschaft über das Stillen informieren und die Akzeptanz des Stillens erhöhen. Damit es möglich ist, die Empfehlungen für ausschliessliches Stillen umzusetzen, empfehlen die Autorinnen die Einführung einer mehrmonatigen Elternzeit inklusive Verlängerung des Mutterschaftsurlaubs.

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Ernährung des gesunden Neugeborenen

Was ist neu im Vergleich zu den vorherigen Empfehlungen?

  • Zusätzlicher Fokus auf das Stillen (Vorteile, Hindernisse und Unterstützung des Stillens).
  • Eine mütterliche HIV-Infektion ist in der Schweiz keine absolute Kontraindikation mehr für das Stillen.
  • Eine mütterliche COVID-19/SARS-CoV-2-Infektion ist unter entsprechenden Hygienemassnahmen
  • mit dem Stillen vereinbar.
  • Die Beurteilung des erfolgreichen Stillens oder einer nötigen Zufütterung basiert auf integrativen Kriterien und nicht ausschliesslich auf dem Gewichtsverlust des Neugeborenen.
  • Je nach Verfügbarkeit können vorgeburtlich exprimiertes Kolostrum der Mutter oder Spendermilch aus Milchbanken als Alternativen für eine frühe Zufütterung in Betracht gezogen werden.
  • Aktuelle Informationen über die Verwendung von Säuglingsnahrung und praktische Hinweise
  • für die Zubereitung.
  • Nahrungsergänzungsmittel: nicht nur für Neugeborene, sondern auch für stillende Mütter mit besonderen Bedürfnissen oder Ernährungsgewohnheiten.
  • Harmonisierung mit anderen aktuellen nationalen und internationalen Leitlinien.

  Zu den Empfehlungen

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Neu: «Lancet Series» zum Stillen

Stillen hat nachweislich gesundheitliche Vorteile für Mütter und Babys, sowohl in Ländern mit hohem als auch in Ländern mit niedrigem Einkommen. Dennoch werden weltweit weniger als 50 % der Babys gemäss den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation gestillt. Diese dreiteilige Review beschreibt die vielfältigen und äusserst effektiven Strategien, mit denen die Hersteller künstlicher Säuglingsnahrung Eltern, Angehörige der Gesundheitsberufe und politische Entscheidungsträger ansprechen. Die fragwürdigen Marketingpraktiken der Industrie − die gegen den Stillkodex verstossen − werden durch die Lobbyarbeit gegenüber Regierungen verschärft, die oftmals im Verborgenen über Wirtschaftsverbände und Tarngruppen ausgeübt wird, um sich gegen die Verschärfung von Gesetzen zum Schutz des Stillens und gegen die Infragestellung von Vorschriften zu Ernährungsstandards zu wehren.

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Verstoss gegen Richtlinien bei der Vermarktung von Formula-Milch

Mehr als die Hälfte der Eltern und schwangeren Frauen (51 Prozent), die für einen Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und UNICEF befragt wurden, geben an, dass sie mit Marketingmassnahmen von Herstellern von Säuglingsnahrung konfrontiert worden seien, die in weiten Teilen gegen internationale Standards für Säuglingsernährung verstossen.

 

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Nebenwirkungen zur COVID-19-Impfung melden und erfassen

Ziel der Studie ist es, die Häufigkeit dieser Nebenwirkungen bei schwangeren und stillenden Frauen in Abhängigkeit von der Art des Impfstoffs und von individuellen Merkmalen zu messen. Alle gesammelten Informationen werden mit der «European Medicines Agency» und den Pharmakovigilanz-Systemen von Swissmedic geteilt und innerhalb der Länder verglichen.

Flyer auf Deutsch 

Registration für Schwangere oder Stillende unter www.covidvaccinemonitor.eu/ch

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Nebenwirkungen zur COVID-19-Impfung melden und erfassen

Die COVID-19-Impfstoffe wurden eingehend untersucht und erfüllen alle Sicherheitsanforderungen, die auch für andere Impfstoffe gelten. Die aktuellen Daten zeigen, dass die Impfstoffe gegen COVID-19 während der Schwangerschaft und Stillzeit wirksam sind. Sie werden vom Bundesamt für Gesundheit empfohlen, da die Risiken einer schweren COVID-19-Infektion während der Schwangerschaft erhöht sind. Die Universität Bern beteiligt sich an einer Studie und sammelt in Zusammenarbeit mit anderen Partnern in der Schweizer (bspw. dem Register COVI-PREG) und Partnern aus insgesamt 16 europäischen Ländern, Informationen über mögliche Nebenwirkungen nach der Impfung gegen COVID-19. Milde Nebenwirkungen sind relativ häufig, wie es nach jeder Impfung der Fall sein kann (leichtes Fieber, Kopfschmerzen, lokaler Schmerz usw.). Ziel der Studie ist es, die Häufigkeit dieser Nebenwirkungen bei schwangeren und stillenden Frauen in Abhängigkeit von der Art des Impfstoffs und von individuellen Merkmalen zu messen. Alle gesammelten Informationen werden mit der «European Medicines Agency» und den Pharmakovigilanz-Systemen von Swissmedic geteilt und innerhalb der Länder verglichen.

Quelle: Mitteilung der Schweizerischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe vom 1. Februar, https://www.sggg.ch/fileadmin/user_upload/Dokumente/1_Ueber_uns/Flyer_vaccin_booster_grossesse_allaitement_A5_DEUTSCH.pdf

Registration für Schwangere oder Stillende unter www.covidvaccinemonitor.eu/ch

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Wie kann eine Mastitis im Wochenbett vermieden werden?

Wenn sich Frauen zum Abstillen entscheiden, stellen mütterliche Stillprobleme den Hauptgrund dar. Ziel einer systematischen Übersichtsarbeit bestand darin, die Wirksamkeit verschiedener Präventionsstrategien in Bezug auf das Auftreten oder Wiederauftreten einer Mastitis bei stillenden Frauen nach der Geburt zu bewerten.

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Stillunterstützung für Personen aus dem LGBTQ+-Spektrum

Die Academy of Breastfeeding Medicine gibt mit ihrem Protokoll Nr. 33 Empfehlungen zum Umgang mit Menschen aus dem LGBTQ+-Spektrum im Bereich der Still- und Laktationsberatung. Sie führt in die Thematik ein und ermöglicht medizinischem Fachpersonal, sich mit den veränderten Begriffen und Konzepten auseinanderzusetzen.

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