Flüchtlinge aus Ukraine: Erhöhte Infektionsraten von HIV, Hepatitis B und C

Bereits haben einige kantonsärztliche Dienste Inhaberinnen und Inhaber von kantonalen Zulassungen über das Infektionsgeschehen bezüglich HIV, Virushepatitis B und C vor Kriegsausbruch in der Ukraine informiert. Damit alle Hebammen informiert sind, stellt der Verband diese Informationen hiermit allen Interessierten zur Verfügung.
Laut Daten von UNAIDS hat die Ukraine mit 41/100.000 im Jahr 2020 eine 13-fach höhere HIV-Inzidenz als Deutschland oder die Schweiz  und ist somit eines der Länder mit der höchsten Inzidenz im osteuropäischen und zentralasiatischen Raum. Im Jahr 2018 lebten im Land 240.750 Personen mit HIV. In diesem Jahr wurden 15.787 neue Infektionsfälle und 3.448 AIDS-assoziierte Todesfälle verzeichnet. Die HIV-Prävalenz in der allgemeinen Bevölkerung liegt bei 0,9-1%! Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern, in denen die HIV-Prävalenz bei Männern höher ist, sind in der Ukraine Frauen und Männer fast gleichermassen betroffen.

Außer HIV sind auch Virushepatitis B und C (HBVHCV) in der Ukraine stark prävalent. Mit einer geschätzten HBV-Prävalenz von 0,8-1,5 % und einer HCV-Prävalenz von 3-5 % in der erwachsenen Bevölkerung, gehört die Ukraine zu den Ländern mit der höchsten Belastung durch Virushepatitis in Mittel- und Osteuropa und Zentralasien.

Um die Mutter-Kind Übertragung von HIV, HBV aber auch HCV und Syphilis zu vermeiden, sollten schwangere Frauen  entsprechende Screening Tests angeboten bekommen. 
Zu beachten:
Die Analyseliste für Hebammen ist sehr veraltet, der Antrag um Revision der Analyseliste, welcher im 2020 beim BAG eingereicht wurde, ist vor den Sommerferien durch das Bundesamt für Gesundheit (BAG) abgelehnt worden (Siehe Verbandsnews dazu in diesem Newsletter). Das heisst, dass Hebammen in der Vorsorge aktuell kein Hepatitis C-Screening und kein aktuelles HIV-Screening anbieten und verrechnen können. Umso wichtiger ist daher die Aufklärung und Beratung der Schwangeren aber auch Frauen im Wochenbett, denn nach wie vor werden in der Schweiz nicht an allen Orten flächendeckende HIV-Screenings in der Schwangerschaft durchgeführt, resp. HCV-Screenings bei Risikogruppen. Hier braucht es daher interprofessionelle Zusammenarbeit zwischen der Hebamme und dem Geburtsspital oder der mitinvolvierten Gynäkologischen Praxis. 

(Quelle: UNAIDS und Robert Koch Institut Deutschland)

Hier gibt es aktuelle Informationen auf Ukrainisch und Russisch:
Aids-Hilfe Schweiz: Informationen für Menschen aus der Ukraine 
AIDS-Hilfe Schweiz_Ukrainisch
AIDS-Hilfe Schweiz_Russisch
Gesundheitsinformationen für Schutzsuchende aus der Ukraine (SRK)_Ukrainisch

Informationen von pädiatrie schweiz:
Gesundheitsheft für Säuglinge/Kinder auf Ukrainisch

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BAG weist Anträge «Revision Analyseliste» und «Verordnungskompetenz für Hebammen» zurück

Das Bundesamt für Gesundheit weist beide Anträge mit unterschiedlichen Begründungen zurück und verweist den SHV auf den parlamentarischen Weg, Was sind die Gründe?

Antrag auf Vergütung von verschreibungspflichtigen Arzneimitteln an die frei praktizierende Hebamme durch die Obligatorische Krankenpflegeversicherung
Die Vergütung kann nur erfolgen, wenn die Hebamme die rezeptpflichtigen Medikamente, welche sie anwendet auch selber verordnen könnte. Diese Verordnungskompetenz ist aktuell gesetzlich nicht geregelt, daher kommt es immer wieder zu Rückweisungen durch Versicherer bei der Rückvergütung von Medikamentenkosten an die Hebamme oder die Klientin.
Die Verordnungskompetenz braucht eine Anpassung des Artikel 25, des Krankenversicherungsgesetzes (KVG) und für diesen Schritt wünscht sich das BAG einen parlamentarischen Auftrag. Um solch ein grosses Lobbying-Projekt starten zu können, hat der SHV bereits Kontakt mit einem professionellen politischen Lobbyingbüro aufgenommen. 
Warum ist diese Verordnungskompetenz wichtig?
Dazu haben wir bereits berichtet, diese Verbandsnews ist hier nachlesbar.

Antrag auf Revision der Analyseliste
Die Revision kann laut BAG erst erfolgen, wenn die Hebamme die Kompetenz hat, Laboranalysen am Neugeborenen selbst zu verordnen, bspw. Blutzucker- oder Bilirubinmessungen. Die sei gesetzlich eigentlich gar nicht gegeben! Somit hilft der erste Antrag zur Verordnungskompetenz im Bereich der Laboranalysen für Neugeborene auch dem Antrag auf Revision der Analyseliste. Und die restlichen Analysen, welche dringend aktualisiert und ergänzt werden müssten?
Das BAG anerkennt die Problematik, will aber die Schweizerische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (SGGG) zu einer Kollaboration mit dem SHV „zwingen“, da dem BAG die doppelt und dreifach verordneten Analysen bei derselben Person durch unterschiedliche Gesundheitsfachpersonen unter dem Aspekt der Kostendämpfung ein Dorn im Auge ist. Im Grundsatz spricht nichts gegen kostendämpfende Massnahmen, der SHV wehrt sich hingegen entschieden dagegen, dass er als Verband benutzt wird, um andere Gesundheitsfachpersonen zur Mitarbeit zu zwingen, währenddessen die Hebammen weiterhin Probleme haben, eine adäquate Schwangerenvorsorge ohne Kostenbeteiligung der Klientin anzubieten. 
Daher wird auch diese Thematik nun mittels parlamentarischem Lobbying ins Parlament gebracht. 

 

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